Spielräume schaffen
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Fragen und Antworten zum Sandspiel

Die hier aufgeführten Antworten sollen einen ersten Eindruck über die Sandspieltherapie schaffen. Sie erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Absolutheit. Letztlich kann nur die persönliche Selbsterfahrung einen tatsächlichen Eindruck vermitteln.


Was ist Sandspiel?

Sandspiel ist ein Weg, sich selbst auszudrücken ... ohne Worte ... es ist die natürliche Sprache der Kinder, die das Spiel als Weg nutzen, sich auszudrücken ... eine kreative Weg in der Therapie ... und ebenso eine tiefenpsychologische Methode zur Diagnostik und nonverbalen Therapie. 


Wer hat diese Therapiemethode begründet?

Die Schweizer Therapeutin Dora M. Kalff (1904-1990).


Auf welchen Grundlagen basiert die Sandspieltherapie?

Dora Kalff entwickelte das therapeutische Sandspiel auf der Grundlage der analytischen Psychologie des Schweizer Arztes und Psychiaters C.G. Jung und dem sog. "Weltspiel" der Londoner Ärztin und Psychoanalytikerin Margaret Lowenfeld.


Wie wirkt Sandspieltherapie?

Die Sandspieltherapie ist ein tiefenpsychologisches Verfahren. Die Tiefenpsychologie geht davon aus, dass unbewusste psychische Vorgänge das Denken, Fühlen und Handeln des Menschen entscheidend beeinflussen. Das Bauen der Sandbilder wird durch unbewusste Prozesse geführt. Somit ermöglicht die Sandspieltherapie einen Zugang zum Unbewussten. Konflikte, Ressourcen und Lösungswege können sich hierüber ausdrücken. Die in den Therapie-/Coachingstunden gestalteten Sandbilder wirken, auch falls nicht hierüber gesprächen werden sollte, im Unbewussten weiter.


Was ist ein Sandbild?

Sandbild ist der Begriff für das "Bild", also die Szene, die ein Mensch im Rahmen eines Termins innerhalb des Sandkastens baut. Das Bauen eines Sandbilds wird hauptsächlich durch unbewusste Prozesse geführt.



Für wen eignet sich die Sandspieltherapie?

Klassischerweise ist die Sandspieltherapie indiziert bei Menschen mit frühkindlichen Traumata, starken Ängsten und Phobien, Selbstwertproblemen, psychosomatischen Beschwerden, ebenso bei Lernschwächen oder Konzentrationsschwächen. Weitere Einsatzmöglichkeiten sind Aggressivität, Störungen des Sozialverhaltens und Depressionen. Sandspieltherapie kann ebenso wirksam sein bei ADHS. Mittlwerweile gibt es auch positive Erfahrungen für die Anwendung in der Paartherapie und in der Familientherapie. Ein weiteres Anwendungsfeld kann die Teamentwicklung in Unternehmen sein. Sandspiel ist grundsätzlich für Menschen aller Altersgruppe geeignet, seien es Kinder, Jugendliche oder Erwachsene.

Besonders geeignet erscheint das Sandspiel auch für eher zurückhaltende, introvertierte oder gar schüchterne Menschen.


Inwiefern passt die Methode des Sandspiels zu hochsensiblen Menschen?

C. G. Jung, auf dessen analytischer Psychologie die Sandspieltherapie gründet, beschrieb sich selbst als hochsensiblen Menschen bzw. aus einer Familie sehr sensibler Menschen stammend. Er verwendete mit "sensitiv-introvertiert" einen ähnlichen Begriff. In Bezug zur Hochsensibilität war er der Meinung, dass  hochsensible Menschen einen relativ leichten Zugang zu ihrem Unbewussten (Tiefenpsychologie) finden. Somit ist es plausibel, dass die Sandspieltherapie - als eben tiefenpsychologische Methode - gut zu hochsensiblen Menschen passt.

Ein weiterer interessanter Aspekt ist in diesem Zusammenhang, dass hochsensible Menschen, die sich in einen Coaching- oder Therapieprozess begeben, häufig - v.a. im Erstgespräch - SEHR VIELE Aspekte und Erfahrungen ihres bisherigen Lebens ansprechen. Jedoch ist es kaum möglich, diese vielfältigen Aspekte gleichzeitig zu bearbeiten. Hier kommt ein interessanter Aspekt des Sandspiels zum Tragen:
Während einer Sandspielsitzung baut der (hochsensible) Klient, vornehmlich durch unbewusste Prozesse geführt, ein sogenanntes Sandbild (eine Szene). Hierbei gestaltet der jeweilige Mensch in der Regel genau DAS, was zu diesem Zeitpunkt seiner Entwicklung möglich und wichtig ist und eben nicht unbedingt so viele Dinge gleichzeitig, wie bewusst-rational in seinem Geist vorhanden sind und in einem ausführlichen Gespräch geäußert würden. So kann das Sandspiel - ganz im Sinne der Idee der Polarität von Freiheit und Beschränkung - zu einer sinnvollen und hilfreichen Focussierung führen.


Wie könnte man die Einsatzmöglichkeiten des Sandspiels noch ausdrücken?

Das Medium Sandspiel kann immer dann hilfreich und wertvoll sein, wenn ...

... ein Kind sich (ohne viele Worte) ausdrücken möchte

... ein Erwachsener sich (ohne viele Worte) ausdrücken möchte

... man etwas verändern möchte

... man einfach zu erschöpft ist, um viel zu reden oder viel strukturiert zu denken

... etwas (noch) zu weh tut, um darüber zu reden

... man sich entlasten möchte

... man einfach keine Lust hat, viel zu reden

... ein Bild mehr als 1000 Worte sagt

... man eine andere Perspektive braucht

... man das Bedürfnis hat, innezuhalten

... man das Bedürfnis hat, mehr zu sich selbst zu finden

... man die eigene Persönlichkeit entwickeln möchte (Persönlichkeitsentwicklung ist lebenslang

    möglich)

... man sich vor lauter Interessen und Ideen nicht entscheiden kann (Scanner-Persönlichkeit)


Durch die große Auswahl an Miniaturen läßt sich nahezu jeder Aspekt sowohl des realen Lebens als auch der Fantasie darstellen ... welche Zielgruppen könnten somit noch profitieren? 

Zum Beispiel ...

... Top-Manager, die den Wunsch nach einer alternativen Supervision haben

... Karrierefrauen

... Schriftsteller, die eine Schreibblockade erfahren bzw. einen kreativen Impuls benötigen

... Menschen, die sich mit der Sinnfrage beschäftigen möchten

... Künstler, die sich in einer Schaffenskrise befinden

... Menschen, die auf der Suche nach sich selbst sind

... Coaching-Klienten, die eine tiefenpsychologische Alternative zum "Verkopft-Rationalen" der

    heutigen Zeit suchen

... Studenten, die sich überfordert fühlen

... (Leistungs-)Sportler, die mal "ganz anders" an ihrer mentalen Fitness arbeiten möchten

... Menschen, die sich mit ethischen Fragen auseinandersetzen möchten

...


Mit welchen Begriffen könnte man das Wesen der Sandspieltherapie beschreiben?

Kreativ, behutsam, spielerisch, bunt, ruhig, ... und gleichzeitig tiefgehend


Welche sind hilfreiche, wertvolle (aber nicht zwingende) Voraussetzungen beim Sandspiel?

Neugier, Offenheit, Vertrauen, Respekt, Geduld ... und gleichzeitig eine Affinität zum Spielerischen.

Zur Verdeutlichung:

Eine gute Portion Neugier und ein gewisses Maß an Offenheit ist immer dann hilfreich, wenn man sich auf neues Terrain begibt, etwas Neues ausprobiert, etwas zu verändern, um sich weiterzuentwickeln. Dies impliziert zwei weitere Helfer: Einerseits das Vertrauen in die Führung durch das eigene Unbewusste, hierbei auch mal einfach etwas geschehen zu lassen. Anderseits den Respekt gegenüber der eigenen Psyche, dem Potential des persönlichen Unbewussten. Ebenso die Geduld, Dinge sich entwickeln, wachsen zu lassen.